20. April 2014

Wässrigwindiger Ostersonntag

Unter dem düstergrauen Himmel mit Dauersturzregenfällen hilft mir kraftvoll bodenständige Musik: Rory Gallagher - Photo-Finish (1976)...

Was bietet man einem Gast ausser Stubenhockerei bei diesem elenden Wetter? Eine Fahrt runter an den Strand in der Hoffnung, dass der Himmel an undichten Stellen blaufleckig daherkommt. Hoffnungsschimmer. Stattdessen ist die sonst so friedlich uferwärts dümpelnde Adria aufgewühlt.
Es kann nur besser werden. Deshalb stehen die Koffer schon bereit für die Suche nach besserem Wetter. Davon bei Gelegenheit mehr.

     (Foto anklicken macht nicht nass)





19. April 2014

Schmeckt prima, sieht prima aus - an den Haken gehängt

Osterzeit, Schlechtwetter auf dem Schwarzen Berg. Da sollen zumindest Speisen und Getränke Glanzpunkte setzen unterm eintönigen Himmelgrau und die Musik das alles verbinden: Arvo Pärt - Tabula Rasa (1984)...

Ich bin im alten Ortskern geboren, umgeben von einem kleinen Damm, der das Kaff im Frühjahr vor dem Hochwasser der beiden in der Nähe zusammentreffenden Flüsse schützen sollte. Bauernhöfe rundum, die Wirtschaft mit dem Tanzsaal, leicht erhöht die Kirche und das Gehöft mit der Feuerspritze, dem Faselstall und daneben das alte Rathaus mit dem Storchennest auf dem Schornstein. Bodenständig und überschaubar.
Die Frauen trugen Kopftücher wenn sie das Haus verliessen und der Bauer ging zum pissen auf den Misthaufen. Um elf Uhr riefen die Glocken die Bauern vom Feld zum Mittagessen und um  sechs nachmittags wussten die Kinder, dass es Zeit war nach Hause zu gehen, um elterlichen Tadel oder eine Maulschelle zu vermeiden.
Der Durst wurde tagsüber mit Leitungswasser gestillt und für den kleinen Hunger gabs zwischen ein Stück Obst je nach Saison. Eine gewisse Unaufgeregtheit ist mir davon geblieben. Essen muss satt machen, wenns gut schmeckt, umso besser. Kulinarische Moden lassen mich weitgehend kalt. Erdbeeren mit grünem Pfeffer oder ein Kir Royal das habe ich versucht, wenns jedoch religiös wird mit den Meinungen über die Ernährung, wende ich mich ab. Das Wie ist mir allemal wichtiger als das Was. Das richtige Verhältnis, die Ausgewogenheit machts. Sowohl bei der Zubereitung als auch bei der Verteilung. Rein vegetarisch, makrochaotisch, slow food oder am Ende gar vegan - Scheuklappen dienen eher Pferden als Menschen, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Im letzten Post hatte ich meine Vorfreude mitgeteilt über den anstehenden Besuch eines Restaurants im Norden Albaniens. Slow Food solls dort geben. Was nach meinem Verständnis bedeutet, dass die Speisen aus frischen Zutaten wie seit Jahrhunderten in der Küche zubereitet werden. Also ihren Weg nicht von der Lebensmittelchemiefabrik tiefgefroren in den Supermarkt nehmen und von dort ins heimische Kühlfach und anschliessend in der Mikromonika aufgewärmt werden. Warum die bewährte Methode herkömmlicher Speisezubereitung neuerdings etwas Besonderes sein soll überlasse ich gerne den Erfindern dieses Marketingtricks.
So, nach der langen Vorrede nun das einfache Menu des "Mrizi i Zanave". (Viel Spass beim Speisekartelesen)

     (Man siehts den Fotos an, ich bin kein "Food-Fotograf" - die Fotos könnte ein Anderer besser machen, hier dienen sie lediglich der Anschauung) 
Die kleine Gaumenfreude vorweg: Eine Käsecreme, grüne Erdbeeren und Spargel und ein gekochtes Eigelb mit Maiscreme. Macht sofort Lust auf mehr.

Die Vorspeisen: Eine Art Quiche; eine mit Gemüsen, die andere nussig im Geschmack. Dazu eingelegte kleine Feigen im Limonencofit und Schalotten. Der frische weisse Ziegenkäse rundet das Ganze ab.

Ferner ein Brett mit Hartkäsen, Schafskäse und jungem weissen Käse sowie zwei Konfitüren aus Maulbeere und Kirschen.

Dazu im Glas gedämpfte Karotten, Blumenkohl, Mangoldblätter, Zwiebelchen...

... und eine tönerne Schaufel Wurzeliges mit einer (noch nicht) identifizierten und sehr aromatischen Creme.

Zum Hauptgericht wählten wir das gebratene Huhn aus dem Kupferkessel und ein Zicklein mit einer Creme aus frischestem Ziegenkäse und verschiedenen Kartoffelvariationen. Auf dem rustikalschweren Holztisch standen bis dahin verschiedene Brotsorten, feinstes Olivenöl und getrocknete Kräuter zum Bestreuen.

Das erste Dessert: Granatapfelsorbet, Quittenstückchen im eigenen Sirup und ein Thymianeis am Ästchen. Zum Schluss dann einen Käsekuchen aus Frischkäse mit Granatapfelkernen.


Begleitet wurde das Menu von einem trocken einheimischen Roten aus der Kallmet-Traube. Der trinkt sich überaus angenehm und versetzt in angenehmste Laune, wovon man sich am Nebentisch überzeugen kann. Versteht sich, dass wir jetzt dem Wirt am Haken hängen und wiederkommen werden.



17. April 2014

Kulinarische Vorurteilszertrümmerung

Dem Kurzreiseziel angemessen ist diese italienische Musikalbande, die ganz knapp neben King Crimson liegt: Memories Of Machines - Warm Winter (2011)...

Vorurteile haben Vorteile. Sie machen die Welt klein und übersichtlich. Kein weiter Horizont, an dem der Blick sich zu verlieren droht, keine unangenehmen Überraschungen im alltäglichen denkfreien Meinungsstübchen.
Billige Vorteile haben mich nie sonderlich gereizt. Zu früh lernte ich, dass billig gekauft in aller Regel bedeutet: zweimal gekauft.
Albanien beispielsweise. Ist in mitteleuropäischer Sehgewohnheit hinlänglich bekannt durch Blutrache und finsterstes Mittelalter. Rotlichtbeherrscher, Messerzücker und Autoschieber. Mädchenhändler und Kinderverheirater. Albaner in Deutschland sind die Aufforderung, die Rolläden herunterzulassen und den Riegel vorzulegen. Das gibt es in der Tat auch und die bösen Fälle sollen keineswegs verschwiegen werden. Es gibt jedoch auch viele ganz andere Seiten. Den heute auf dem Schwarzen Berg eintreffenden Besucher werde ich beispielsweise an diesen Ort begleiten. Derweil mag den Besuchern, Lesern und Guggern der kleine Film des albanischen Fernsehens ein Appetithäppchen sein. Medaillen haben nunmal zwei Seiten, eine davon ist schattig, die andere hingegen im Licht. So ist das und irgendwas ist ja immer.

So, und bevor nun die Buggelwutz für eine kleine Ostereiersuchreise gesattelt wird, grüsse ich alle Besucher, Leser und Gugger und wünsche allen für die kommenden Tage fröhliche Eierhantierungen und kreuzigt keine Katzen.





15. April 2014

Wasser es fliesset nur... (Goethe - Pandora)

Ein Kracher für feinhörende Ohren. Jethro Tull - Thick as a Brick (1972). Der Nachbar hat natürlich die Spezialedition zum 40-jährigen Jubiläum 2012. Die Klangqualität in der besten präsentierten Version dieser 7GB-Edition bringt die Dunkelkammeranlage an ihre Grenzen...

Hier regnet es in Strömen und ohne Unterlass. Und ich dachte, der Winter wäre vorbei. Ob ich dem Osterbesuch vorschlagen soll, wasserdichte Kleidung im Reisegepäck mitzuführen?

     (Aus gegebenem Anlass Wasserfotografien - klicken und Blicke mitfliessen lassen)




14. April 2014

Gedankenwolken am Strand

Dänen lügen nicht. So oder so ähnlich geht die Weise. Lockerflott spielen diese Dänen: The Raveonettes - Raven in the Grave (2011) und Observator (2012)...

So einfach am Strand liegen geht nicht. Im Sand sitzen und rundherum schauen zum mindesten. Zurücklehnen und in die Wolken schauen. Hierhin dorthin, die Lichtveränderungen genau wahrnehmen. Einfach schauen. Gedanken schweifen lassen. Der dümpelige Wellenschlag der Adria. Kaum Wind. Über der See verändern sich die Wolkenbilder auffallend rasch.
Meine Gedanken bleiben in der Ukraine hängen. Ich steh merkwürdig alleine mit meinen Ansichten zur momentanen Situation. Mein Bild setzt sich zusammen aus den westlichen Interessen am dem Konflikt. Und diese Interesssen sind vorrangig wirtschaftlich motiviert. Da nordamerikanische Produkte seit Jahren auf dem Weltmarkt kaum konkurrenzfähig sind, muss Krieg exportiert werden. Frankreich heizt im Hintergrund, denn Deutschland ist ein zu starker Exportkonkurrent. Jahrelanges Zögern des Westens in Sachen Ukraine, weil man die Gasprinzessin frei sehen wollte. Und die sass zu Recht. Keine sachlichen Gespräche mit Putin hinsichtlich der Krim. Dabei kann jeder wissen, dass diese für nordamerikanische Weltherrschaftsträume ein Wunschstützpunkt für jegliche militärischen Aktionen im nahen und mittleren Osten ist. Ich verteidige damit nicht Putins Eingreifen auf der Krim. Mir geht es darum, die Schachwinkelzüge westlicher Interessen zu verstehen.
Putin hat die Macht der Oligarchen gebrochen. Das ist in der Ukraine nicht geschehen. Sowohl die Gasprinzessin als auch der flüchtige Regierungschef sind Grösstkapitalisten. Der jetzige Interimschef heizt den Konflikt mit Drohungen weiter an und erhält als Treibstoff eine Milliarde Taler aus Europa.
Mitteleuropäische Medien geben verschleiernd den billigen Propagandajakob. Verlogen ist die Anklage wegen der Annektion der Krim, denn mir fällt der Kosovo ein. Vielleicht erinnert sich noch jemand, wer diesen Staat denn "gemacht" hat und wer ihn de facto regiert. Da wird schnell das Wort verdreht, in diesem unsauberen Fall heisst es statt Annektion nun Stabilität.


     (Foto anklicken und mitgugge)